Herbst-Reset: Wenn mein Kalender noch Sommer plant und ich schon auf Energiesparmodus laufe
Am Montag habe ich beschlossen, im Herbst alles neu zu sortieren. Den Alltag, meine Gedanken, meine Termine. Vielleicht auch die Küchenschublade, in der sich inzwischen mehr Kabel befinden als Küchengeräte.
Ich hatte dafür einen richtig guten Plan. Einen dieser Pläne, bei denen man sich selbst kurz beeindruckend findet: morgens konzentriert arbeiten, danach Besorgungen erledigen, abends etwas Gesundes kochen und natürlich noch die Woche vorbereiten. Mein Kalender war begeistert. Er hat direkt weitere Termine eingetragen.
Nur mein Körper hatte die Einladung offenbar nicht bekommen. Draußen wurde es um halb fünf dunkel, ich saß vor einer To-do-Liste, die aussah wie das Inhaltsverzeichnis eines sehr ambitionierten Lebensratgebers, und wollte eigentlich nur wissen, ob Abendessen auch aus Tee und „Ich schaue später noch mal“ bestehen kann.
Da ist mir aufgefallen: Vielleicht brauche ich keinen Herbst, in dem ich noch effizienter werde. Vielleicht brauche ich einen Herbst, in dem ich besser merke, was gerade wirklich zu mir passt. Und vielleicht muss mein Kalender dieses Gespräch auch noch führen.
Kurzer Herbst-Check-in
Was beschreibt dich gerade am besten?
☐ Mein Kalender plant noch für meine Sommer-Version.
☐ Ich möchte mich unter einer Decke verstecken, aber mein Alltag hat andere Ideen.
☐ Ich bin motiviert, müde und leicht genervt – teilweise gleichzeitig.
Der Herbst ist keine Challenge, die ich gewinnen muss
Irgendwann habe ich angefangen, den Herbst wie einen persönlichen Neustart zu behandeln. Als müsste ich mit dem ersten kühlen Morgen automatisch wissen, was ich will, meine Ziele sortiert haben und eine Morgenroutine besitzen, die selbst bei Regen funktioniert. In meinem Kopf sah das sehr inspirierend aus. In der Realität suchte ich morgens meine zweite Socke und öffnete erst einmal die Wetter-App, um zu prüfen, ob ich an dem Tag die Wohnung überhaupt verlassen möchte.
Natürlich kann sich der Jahreszeitenwechsel auf den Alltag auswirken. Das Licht verändert sich, die Tage werden kürzer und manche Sommerpläne passen nicht mehr so richtig. Dazu kommen bei vielen Arbeit, Studium, Familie, eigene Projekte – und vielleicht auch das Gefühl, dass die eigene Energie nicht jeden Tag gleich ist. Wenn du zusätzlich deinen Zyklus beobachtest, bemerkst du möglicherweise eigene Muster. Das muss aber nicht bei allen gleich aussehen und folgt auch nicht zwingend einem perfekten Schema. Manchmal bin ich erschöpft, weil viel los ist. Manchmal bin ich erschöpft und die Waschmaschine piept auch noch. Das sind zwei Dinge, die gleichzeitig wahr sein können.
Der hilfreiche Gedanke für mich ist deshalb nicht: „Ich muss jetzt alles perfekt auf den Herbst abstimmen.“ Sondern: Was in meinem Alltag passt gerade noch – und was läuft nur weiter, weil ich es schon immer so gemacht habe? Diese Frage macht aus dem Herbst keinen Selbstoptimierungs-Wettbewerb. Sie gibt mir eher die Möglichkeit, an einer Stelle genauer hinzuschauen, bevor ich aus einem vollen Kalender ein ganzes Lebensprojekt mache.
Mein Kalender braucht offenbar ein Gespräch
Ich kenne diesen Moment, in dem ich eine Aufgabe aufschreibe und sofort denke: „Das kriege ich schon irgendwie unter.“ Irgendwie ist bei mir ein ausgesprochen optimistischer Projektmanager. Er plant keine Pausen, vergisst die Zeit zwischen zwei Terminen und geht davon aus, dass ich nach einem anstrengenden Tag noch voller Tatendrang nach Hause komme. Das Wort irgendwie hat eindeutig noch nie einen echten Dienstag erlebt.
Vielleicht kommt dir das bekannt vor: Du planst einen produktiven Vormittag, drei Erledigungen und am Abend noch etwas Schönes. Dann dauert eine Sache länger, eine andere kostet mehr Kraft als gedacht, und plötzlich fühlt sich der ganze Tag wie ein gescheitertes Großprojekt an. Dabei war womöglich nur die Planung unrealistisch – nicht du.
Eine kleine Übung für deine To-do-Liste
Such dir eine Aufgabe heraus und frag dich: Muss sie wirklich heute passieren, oder steht sie heute nur da, weil ich sie irgendwann aufgeschrieben habe? Wenn sie warten kann, verschieb sie bewusst. Wenn sie wichtig ist, überleg, was dafür heute kleiner werden darf. Und falls du nicht weißt, wo du anfangen sollst, nimm den nächsten konkreten Schritt. „Unterlagen öffnen“ ist machbar. „Mein gesamtes Leben organisieren“ klingt nach einer Aufgabe, die eine eigene Abteilung braucht.
Ein Reset darf zu meinem echten Leben passen
Ich mag Ideen, die mir helfen, innezuhalten und meinen Alltag neu zu sortieren. Ich mag sie weniger, wenn sie nebenbei vermitteln, dass ich vor dem Reset offenbar alles falsch gemacht habe. Der Herbst muss kein Beweis dafür werden, wie diszipliniert, organisiert oder tiefenentspannt ich bin. Ich muss nicht erst eine optimierte Version von mir werden, bevor ich meinen Alltag ernst nehmen darf.
Vielleicht brauchst du gerade mehr Ruhe. Vielleicht tut dir eine klare Struktur gut. Vielleicht möchtest du Termine besser verteilen oder wieder kleine Dinge einplanen, auf die du dich freust. Und vielleicht wäre schon viel gewonnen, wenn du aufhörst, dich bei jeder Veränderung sofort selbst zu kritisieren.
Wenn du zyklusbewusst leben möchtest, kann es hilfreich sein, über eine Weile zu beobachten, wie sich Stimmung, Energie und Wünsche gespaart mit Erwartungen anderer bei dir persönlich zeigen. Nicht, um dich in ein starres Schema zu pressen oder jeden Tag vorauszusagen. Eher, um dich später fragen zu können: Was habe ich in solchen Wochen gebraucht? Was hat mir geholfen? Was möchte ich beim nächsten Mal anders planen?
Dafür brauchst du keine perfekte Tabelle. Ein kurzer Satz im Kalender oder eine Notiz im Handy kann schon reichen: „Heute war viel los, ich brauchte danach Ruhe.“ Das ist keine wissenschaftliche Auswertung deines Lebens. Es ist eine kleine Erinnerung an dich selbst – und manchmal ist genau das hilfreicher als ein weiterer Plan, der sich nach drei Tagen in Luft auflöst.
Dein kleiner Check-in für heute
Was kostet mich gerade mehr Kraft, als ich erwartet habe?
Was könnte ich diese Woche vereinfachen, verschieben oder anders planen?
Worauf möchte ich mich freuen – auch wenn es nur eine kleine Sache ist?
Du kannst die Fragen einfach für dich beantworten. Du musst nichts teilen und auch nicht sofort eine Lösung finden. Manchmal ist es schon hilfreich, die eigene Antwort überhaupt einmal zu hören. Und wenn die Antwort lautet „Ich möchte heute nicht noch eine weitere Frage beantworten“, dann ist auch das eine ziemlich klare Rückmeldung.
Mein Reset beginnt nicht mit einem neuen Ich
Ich möchte im Herbst nicht erst ein komplett neues Ich werden müssen. Ich will eher herausfinden, was ich gerade brauche und wie ich meine Pläne daran anpassen kann. Das klingt weniger spektakulär als „Neues Quartal, neues Ich“, aber es ist für mich deutlich realistischer. Vor allem, weil mein jetziges Ich noch da ist und vermutlich auch gerne mitreden würde.
Vielleicht ist dein Reset heute, einen Termin nicht noch schnell dazwischenzuquetschen. Vielleicht bedeutet er, deine Erwartungen an einen anstrengenden Tag anzupassen. Vielleicht machst du dir einen Tee, bevor du weiterarbeitest – und trinkst ihn sogar, solange er noch warm ist. Ein ehrgeiziges Herbstziel, ich weiß.
Werbung für mein Herbst-Reset-E-Book
Du musst nicht dein ganzes Leben neu sortieren
Manchmal hilft es, kurz aus dem Autopilot auszusteigen und die eigenen Gedanken auf Papier zu bringen. Genau dafür habe ich mein Herbst-Reset-E-Book erstellt: als Begleitung mit Impulsen, die dir helfen können, innezuhalten, deinen Alltag anzuschauen und herauszufinden, welche nächsten Schritte sich für dich stimmig anfühlen.
Kein Herbst nach Checkliste und kein „Du musst jetzt alles ändern“. Du kannst die Fragen und Übungen nutzen, die gerade zu dir passen, und den Rest liegen lassen. Vielleicht ist es genau die kleine Pause zwischen zwei vollen Tagen, die du gerade gebrauchen kannst.
Denn der Herbst verlangt nicht, dass du alles neu machst. Aber er kann eine gute Gelegenheit sein, kurz stehen zu bleiben und dich zu fragen: Plane ich gerade für mein echtes Leben – oder für die Version von mir, die angeblich alles schafft?
Und jetzt du: Was wäre ein realistischer, freundlicher Herbst-Reset für dich – eine Sache, die du vereinfachen, loslassen oder wieder aufnehmen möchtest?







