Herbstlicher Schreibtisch mit kaltem Tee, aufgeschlagenem Kalender, Kürbis und schwarzer Maske. Der Schriftzug lautet: „Halloween: Heute darf die Maske mal echt sein.“ Unten rechts steht „Titelbild KI-generiert“.

Halloween ist nicht der einzige Tag, an dem wir Masken tragen

Halloween ist die eine Nacht im Jahr, in der wir uns verkleiden und dafür Komplimente bekommen. An den anderen Tagen nennen wir es „professionell bleiben“, „nicht so empfindlich sein“ oder „Ich mach das noch schnell“.

Im Oktober hängen überall Kostüme, Kürbisse und kleine Skelette. Kinder überlegen, ob sie als Hexe, Vampir oder irgendetwas mit Glitzer und möglichst viel Süßigkeitenpotenzial losziehen. Erwachsene kaufen Snacks, dekorieren die Haustür und behaupten, sie hätten auf gar keinen Fall selbst kurz überlegt, ob ein schwarzer Umhang im Alltag vielleicht doch eine gute Idee wäre. Ich finde Halloween deshalb jedes Jahr ein bisschen witzig: Für eine Nacht dürfen wir uns absichtlich verstellen, und alle finden es kreativ. Im Alltag machen wir manchmal genau das Gegenteil – wir verstellen uns, ohne es überhaupt zu merken, und nennen es dann „Ich bin halt so“ oder „Das gehört eben dazu“.

Ich denke dabei an all die kleinen Situationen, die eigentlich gar nicht besonders dramatisch wirken. Jemand fragt, wie es mir geht, und bevor ich überhaupt kurz nach innen hören kann, kommt schon ein „Gut, danke“ heraus. Ich sage zu einem Termin ja, obwohl mein erster Gedanke eher „Wann soll ich denn bitte noch atmen?“ war. Ich antworte sofort auf eine Nachricht, obwohl ich gerade eigentlich nur kurz meine Ruhe wollte. Und dann sitze ich da, erledige meinen Alltag und wundere mich, warum ich mich selbst darin manchmal kaum wiederfinde. Die Maske sitzt. Sie ist nur nicht aus Plastik, sondern aus Gewohnheit, Erwartungen und einem erstaunlich überzeugenden Lächeln.

Kurzer Masken-Check

Welche Rolle erkennst du von dir wieder? Du kannst mehrere auswählen oder einfach kurz darüber nachdenken.

☐ Die „Mir geht’s gut“-Maske

☐ Die „Ich schaffe das noch schnell“-Maske

☐ Die „Ich brauche nichts“-Maske

☐ Heute keine Ahnung. Ich suche erst mal den Reißverschluss.

„Ich funktioniere schon“ – das Kostüm, das ich am besten kenne

Bevor ich mich intensiver mit zyklusbewusstem Leben beschäftigt habe, habe ich mich selbst oft nicht wirklich verstanden. An einem Tag war ich gut gelaunt und voller Ideen, am nächsten fühlte ich mich erschöpfter oder ganz anders. Früher habe ich daraus schnell gemacht: Dann muss ich mich wohl zusammenreißen. Man muss eben funktionieren. Man kann nicht immer auf den eigenen Körper hören. Wenn etwas anstand, machte ich es – und überlegte erst danach, ob es eigentlich zu mir und meiner Tagesform gepasst hatte.

Rückblickend finde ich das interessant, weil ich dabei nicht bewusst dachte: „Heute setze ich eine Maske auf.“ Es war eher ein Automatismus. Die zuverlässige Version von mir ging zur Arbeit, beantwortete Nachrichten, zog Dinge durch und sagte möglichst nicht zu oft, dass gerade etwas zu viel war. Die Rolle hatte schließlich Vorteile: Niemand musste warten, ich enttäuschte niemanden und ich konnte mir einreden, dass alles unter Kontrolle war. Nur bekam ich selbst manchmal als Letzte mit, was in mir eigentlich los war.

Als ich anfing, mich mit meinem Zyklus auseinanderzusetzen, ging es mir nicht darum, für jedes Gefühl eine schnelle Erklärung zu finden. Ich wollte mich erst einmal besser beobachten und verstehen. Warum kann sich meine Meinung – andere sagen dazu Dramaqueen –  von einem Tag auf den anderen plötzlich verändern? Was passiert, wenn ich nicht automatisch gegen meine Müdigkeit argumentiere? Und was wäre, wenn ich meine Bedürfnisse nicht erst ernst nehme, wenn mein Körper sie mit Großbuchstaben auf den Tisch schreibt?

Eine Antwort auf all diese Fragen habe ich nicht gefunden – und ich glaube auch nicht, dass eine einzige Antwort für alle Frauen passt. Aber die Fragen selbst haben etwas verändert. Ich begann zu merken, dass ich mich nicht jedes Mal falsch oder unzuverlässig fühlen muss, nur weil ich heute anders auf etwas reagiere als gestern. Manchmal brauche ich mehr Gespräche, manchmal weniger. Manchmal habe ich viele Ideen und manchmal will mein Kopf bitte nur eine Sache gleichzeitig bearbeiten. Das ist nicht immer mein Zyklus. Aber mein Zyklus kann ein Teil davon sein, wie ich mich selbst besser kennenlerne.

Die Maske ist oft gut gemeint – aber sie muss nicht immer mitkommen

Ich glaube, viele dieser Rollen entstehen nicht, weil wir uns selbst austricksen wollen. Oft versuchen wir einfach, unseren Alltag zu bewältigen. Wir wollen zuverlässig sein, niemandem zur Last fallen und unsere Aufgaben erledigen. Das kann sich sogar eine ganze Weile gut anfühlen. Schwierig wird es für mich dann, wenn ich nur noch danach entscheide, was von mir erwartet wird, und kaum noch danach, was ich selbst gerade wahrnehme.

Da hilft mir ein kurzer Moment zwischen Reiz und Reaktion. Wenn ich gefragt werde, ob ich noch etwas übernehmen kann, muss ich nicht sofort „Klar“ sagen. Wenn ich merke, dass mein Kopf voll ist, muss ich nicht erst beweisen, dass er wirklich voll ist. Und wenn ich an einem Tag weniger Energie habe als geplant, darf ich meinen Plan anschauen, statt automatisch mich selbst infrage zu stellen. Das ist keine große dramatische Befreiungsszene mit wehender Herbstjacke im Wind. Meistens ist es eher ein kurzer „Moment, ich überlege kurz“ – und ehrlich gesagt kann genau das schon ziemlich viel sein.

Ein kleiner Moment ohne Kostüm

Wenn du magst, beende einen dieser Sätze für dich. Du musst die Antwort niemandem zeigen.

„Im Moment tue ich so, als …“

„Eigentlich würde ich gerade gern …“

„Heute darf ich mir erlauben, …“

Für mich passt das zu einem zyklusbewussten Lebensstil: nicht, weil der Zyklus ein neues Regelbuch wäre, sondern weil ich mich selbst nicht komplett aus der Gleichung streichen möchte. Ich kann beobachten, ob ich bei mir bestimmte Muster wahrnehme. Ich kann mir notieren, wann mein Alltag sich anders anfühlt. Und ich kann daraus Ideen für meine Planung mitnehmen, ohne mir einzureden, dass ich in jeder Phase exakt gleich fühlen müsste wie irgendein Modell es beschreibt.

Weibliche Energie ist für mich auch kein Kostüm mit Einheitsgröße. Sie muss nicht immer weich, intuitiv, ruhig oder besonders spirituell aussehen. Ich möchte nicht eine neue Vorstellung von Weiblichkeit übernehmen und mich dann wieder fragen, ob ich sie richtig spiele. Für mich darf es darum gehen, meine eigenen Gedanken ernst zu nehmen – auch dann, wenn sie nicht in eine hübsche Schublade passen. Vielleicht ist sie manchmal lebendig und voller Ideen. Vielleicht ist sie müde, pragmatisch oder einfach gerade mit anderen Dingen beschäftigt. Ich darf herausfinden, was davon zu mir gehört, statt mich zu einer Version von mir zu erklären, die immer gleich bleibt.

Eine angeleitete Auszeit für dich

Manchmal weiß ich, dass ich mir selbst mehr Aufmerksamkeit schenken möchte und lande trotzdem wieder bei der nächsten Aufgabe. Wenn du dir für solche Momente eine angeleitete Pause wünschst, kannst du dir meine Emotionsreise „Vertrau dir“ anschauen. Sie ist eine Möglichkeit, dir bewusst Zeit für deine innere Welt zu nehmen – in deinem eigenen Tempo und an einem ruhigen Ort. Vielleicht passt das gerade zu dir; vielleicht nimmst du aus diesem Text einfach einen Gedanken mit.

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Ein Herbst-Reset ist kein neues Kostüm

Vielleicht fühlt sich der Herbst deshalb wie ein guter Zeitpunkt für einen kleinen Reset an. Nicht, weil ich jetzt alle Gewohnheiten austauschen oder mit einem perfekt beschrifteten Notizbuch in ein völlig neues Leben starten muss. Eher, weil ein Jahreszeitenwechsel eine gute Gelegenheit ist, kurz innezuhalten und mich zu fragen: Was möchte ich in den nächsten Wochen wirklich mitnehmen? Was darf leichter werden? Und welche Erwartungen trage ich gerade mit mir herum, obwohl ich gar nicht mehr weiß, wer sie mir eigentlich gegeben hat?

An Halloween ziehen wir unser Kostüm für einen Abend ganz bewusst an. Wir schminken uns, setzen uns einen Hexenhut auf oder verwandeln uns in ein Wesen, das im Alltag höchstens beim Blick in den Spiegel nach einer langen Woche auftaucht. Und am nächsten Morgen hängen wir das Kostüm wieder in den Schrank. Zumindest meistens.

Im Alltag ist das Ablegen manchmal schwieriger. Die Rolle der Zuverlässigen, die immer noch einen Termin unterbringt. Die Entspannte, der angeblich alles nichts ausmacht. Die, die „Kein Problem“ sagt, obwohl ihr innerlich schon der imaginäre Umhang vom Bügel rutscht. Vielleicht ist mein Herbst-Reset deshalb eine kleine Erinnerung daran, auch diese Alltagskostüme ab und zu bewusst auszuziehen.

Nicht, um an Halloween oder an irgendeinem anderen Tag plötzlich ein völlig neues Ich zu werden. Sondern um mich zu fragen: Welche Rolle spiele ich gerade – und möchte ich sie heute wirklich anziehen? Manchmal passt sie für den Moment. Manchmal darf sie nach dem Anlass zurück in den Schrank. Und manchmal merke ich erst beim Ablegen, wie froh ich bin, wieder in meiner eigenen Kleidung dazustehen.

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Wenn du deinen Herbst bewusst anschauen und deine Gedanken dazu sortieren möchtest, findest du in meinem Herbst-Reset-E-Book Fragen und Impulse für deinen eigenen Alltag. Nicht als Kostüm, das du anziehen musst, und nicht als Plan, den du perfekt abarbeiten sollst. Eher als Begleitung, mit der du herausfinden kannst, was du gerade brauchst und welche nächsten Schritte sich für dich stimmig anfühlen.

Du kannst dir daraus das mitnehmen, was dich anspricht und den Rest so lassen, wie er ist. Dein Herbst muss nicht aussehen wie meiner – und dein Reset muss auch niemandem außer dir etwas beweisen.

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Vielleicht darf die Maske heute einfach auf dem Stuhl liegen

Halloween erinnert mich daran, dass Verkleiden Spaß machen kann. Für eine Nacht dürfen wir Hexe, Vampir oder das Wesen sein, dessen Kostüm niemand so richtig einordnen kann. Am nächsten Morgen müssen wir nicht automatisch wieder in dieselbe Alltagsrolle steigen. Wir dürfen uns fragen, ob wir gerade wirklich so sein wollen – oder ob wir nur glauben, so sein zu müssen.

Ich will nicht jede Maske loswerden. Manche Rollen gehören zu bestimmten Situationen und manchmal ist es völlig okay, nicht alles auszusprechen, was gerade in mir vorgeht. Aber ich möchte merken, wenn ich mich selbst ständig übergehe. Ich möchte nicht erst am Ende eines langen Tages erfahren, dass ich eigentlich Ruhe gebraucht hätte. Und ich möchte mir zugestehen, dass ich nicht jeden Tag dieselbe Energie, dieselbe Stimmung und dieselben Antworten mitbringen muss.

Vielleicht ist das mein kleiner Halloween-Gedanke für dieses Jahr: Wir dürfen uns verkleiden, wenn wir Lust darauf haben. Aber im Alltag dürfen wir auch immer mal wieder hinter die Maske schauen – ohne gleich ein ganz neues Ich daraus machen zu müssen.

Welche Alltagsmaske kennst du von dir – und was würdest du gern darunter wieder mehr wahrnehmen?