Neulich stand ich im Flur, mit nassen Haaren, einem halboffenen Laptop auf dem Küchentisch und einem Löffel in der Hand, den ich aus unerklärlichen Gründen mitgenommen hatte, als wäre ich auf dem Weg in eine sehr schlecht organisierte Expedition. Dann vibrierte mein Handy.
Keine dramatische Nachricht. Kein Notfall. Nur eine dieser Nachrichten, die mit „Kannst du kurz…“ anfangen und bei denen mein Nervensystem innerlich sofort eine Mitarbeiterversammlung einberuft. Ich stand also da, Haare tropfend, leicht verwirrt, mit diesem Löffel in der Hand und merkte: Ich war kurz davor zu antworten.
Nicht, weil ich Zeit hatte. Nicht, weil ich Kapazität hatte. Nicht, weil es wichtig war. Sondern weil mein Handy Empfang hatte und ich offenbar kurz dachte, das sei dasselbe wie emotionale Verfügbarkeit.
Und da traf mich dieser Gedanke ziemlich direkt:
Vielleicht warte ich in meinen 20ern nicht nur auf mehr Mut. Vielleicht warte ich immer noch auf Erlaubnis.
Erlaubnis, nicht sofort zu antworten. Erlaubnis, Pläne zu ändern. Erlaubnis, müde zu sein. Erlaubnis, sichtbar zu werden, obwohl es sich kurz peinlich anfühlt. Erlaubnis, etwas nur für mich zu tun, ohne daraus direkt Content, Lernen, Wachstum oder ein neues Projekt zu kreieren.
Das ist der dritte Teil meiner „21 Dinge“-Reihe. Und ehrlich gesagt ist er vielleicht der unbequemste. Denn Momente kreieren klingt schön. Lernen klingt vernünftig. Aber erlauben? Das geht tiefer. Weil es nicht darum geht, was ich noch alles tun möchte, sondern darum, was ich mir selbst nicht länger verwehren will.

Kurz gesagt
In diesem Artikel zeige ich dir sieben Aspekte, an denen wir Frauen meiner Meinung nach oft noch auf Erlaubnis warten: beim Antworten, beim Pausieren, beim Sichtbarwerden, beim Grenzen setzen und beim Planen mit unserem Energielevel und unseren Zyklusphasen. Vielleicht erkennst du beim Lesen genau den Punkt, an dem du dich selbst noch zu oft unterbrichst.
Nach dem Erleben und Lernen geht es in diesem dritten Teil um den Punkt, der oft am unbequemsten ist: mir selbst die Erlaubnis zu geben, nicht ständig gegen mich zu funktionieren. Nicht gegen meinen Körper. Nicht gegen meine Energie. Nicht gegen meine Grenzen. Und nicht gegen dieses leise Gefühl, das oft längst Bescheid weiß, bevor mein Kopf wieder eine Begründung sucht.
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1) Nur weil mein Handy Empfang hat, bin ich nicht verfügbar
Nur weil mein Handy klingelt, heißt das nicht, dass ich innerlich geöffnet bin wie ein 24-Stunden-Kiosk mit schlechter Beleuchtung und viel zu viel Verantwortungsgefühl.
Das klingt lustig, aber im Alltag ist es oft genau der Punkt. Eine Nachricht kommt herein geschwirrt und ich bin innerlich sofort in Reaktion. Muss ich antworten? Klingt es unfreundlich, wenn ich später schreibe? Denkt die Person jetzt, ich ignoriere sie? Muss ich erklären, dass das gerade nicht meine Priorität ist?
Und ehe ich mich versehe, habe ich mehr Energie in die mögliche Reaktion einer anderen Person gesteckt als in meine eigene Grenze.
Vielleicht beginnt Erlaubnis genau da: nicht sofort zu reagieren. Nicht aus Trotz. Nicht aus Kälte. Sondern weil ich merken darf, ob ich überhaupt wirklich da bin.
2) Wenn mein Körper nicht mitkommt, ist der Plan nicht heilig
Es gibt diesen unangenehmen Moment, wenn der Kopf noch motiviert klingt, aber der Körper schon längst mit Jacke im Türrahmen steht und sagt: „Ich bin raus.“
Früher hätte ich das sofort als Problem bewertet. Als Schwäche. Als fehlende Disziplin. Als Beweis dafür, dass ich mich wieder nicht genug zusammenreiße. Heute will ich lernen, es anders zu sehen: Wenn mein Körper nicht mitkommt, ist das kein Drama. Es ist Kommunikation.
Manchmal sagt mein Körper nicht „nie“. Manchmal sagt er nur „nicht so“. Nicht heute mit drei Terminen hintereinander. Nicht ohne Essen. Nicht mit zu wenig Schlaf. Nicht in einer Phase, in der mein Nervensystem ohnehin klingt wie ein Radio zwischen zwei Sendern.
Vielleicht ist Erlaubnis manchmal nur der Mut, einen Plan nicht gegen den Körper durchzudrücken, nur weil ich ihn irgendwann optimistisch in den Kalender geschrieben habe.
3) Sichtbar sein darf sich am Anfang peinlich anfühlen
Sichtbarkeit klingt immer so groß. Nach Bühne. Nach Mikrofon. Nach „Ich stelle mich jetzt in mein Licht“ und im Hintergrund spielt irgendeine epische Musik.
In echt sieht Sichtbarkeit manchmal eher so aus: Ich veröffentliche einen Blogartikel und denke fünf Minuten später, ob ich vielleicht doch zu ehrlich war. Ich lade ein Produkt hoch und mein Kopf fragt sofort, wer ich eigentlich glaube zu sein. Ich teile einen Gedanken und bekomme dieses kleine innere Kribbeln, das nicht nach Glitzer klingt, sondern nach: Bitte lass niemanden etwas Kritisches dazu sagen.
Aber ich möchte nicht warten, bis Sichtbarkeit sich nie wieder peinlich anfühlt. Dieser Zeitpunkt kommt wahrscheinlich ungefähr gleichzeitig mit dem Tag, an dem meine Wäsche sich selbst zusammenlegt. Also nie. Oder zumindest nicht zuverlässig.
Ich möchte mir erlauben, sichtbar zu sein, während ich noch lerne. Nicht erst, wenn ich perfekt bin. Nicht erst, wenn jeder Satz unangreifbar ist. Nicht erst, wenn mein Selbstvertrauen morgens mit frisch geföhnten Haaren in der Tür steht, geht es dir auch so?
4) Nicht alles, was ich erlebe, muss später Content werden
Das ist einer dieser Punkte, die harmlos klingen und dann plötzlich mitten ins Nervensystem treffen.
Etwas nur für mich tun. Ohne Nutzen. Ohne Content-Idee. Ohne „das könnte ich später noch verwerten“. Ohne innerlich direkt eine Überschrift daraus zu basteln, ein Pinterest-Board mitzudenken oder zu überlegen, ob sich daraus ein Produkt, ein Blogartikel oder zumindest ein guter Vergleich für einen Newsletter machen lässt.
Das glaubt mir keiner, aber als Bloggerin kann sogar ein schöner Spaziergang plötzlich aussehen wie Recherche mit frischer Luft. Und ja, manchmal ist das auch toll. Ich liebe es, aus dem Leben zu schreiben. Aber ich möchte nicht mein ganzes Leben nur noch als Materialsammlung behandeln.
Vielleicht ist Erlaubnis auch, einen Moment nicht direkt verwerten zu müssen. Ich bin Maria. Nicht meine To-do-Liste. Nicht meine Produktwelt. Nicht meine nächste Idee. Keine wandelnde Projektmappe mit Puls.

Der Erlaubnis-Check
Frag dich:
1. Reagiere ich gerade aus echter Bereitschaft oder aus Pflichtgefühl?
2. Wie würde ich mich entscheiden, wenn ich niemandem etwas erklären müsste?
3. Was sagt mein Körper gerade leise, bevor er – bei mir – laut mit schlechter Laune in extra Portion werden muss?
4. Wo darf ich heute eine kleinere, ehrlichere Grenze setzen?
6) Pause ist keine Belohnung für komplette Erschöpfung
Ich möchte nicht erst dann ausruhen, wenn mein System innerlich eine automatische Abwesenheitsnotiz verschickt.
Pausen haben bei vielen von uns immer noch diesen Beigeschmack von: erst, wenn alles erledigt ist. Erst, wenn niemand mehr etwas braucht. Erst, wenn das Haus halbwegs aufgeräumt aussieht, der Posteingang leer ist, der Körper stillhält und der Kopf keine offenen Tabs mehr hat.
Das Problem ist nur: Dieses „alles erledigt“ ist ein Fabelwesen. Sehr hübsch in der Vorstellung, aber im echten Alltag eher selten gesichtet.
Ich möchte Pausen nicht mehr als Belohnung betrachten, sondern als Wartung. Mein Körper ist kein Gerät, das ich erst dann an die Steckdose hänge, wenn es schon seit drei Stunden gefühlt erschöpft auf dem Tisch liegt. Meine Pause darf früher beginnen. Vor der Gereiztheit. Vor dem ich fang an zu weinen Punkt. Vor dem Moment, in dem ich mich selbst nur noch durch den Tag schiebe.
7) Empathisch sein heißt nicht, emotionaler Wäschekorb zu werden
Gerade als Frau wird Stärke oft mit Funktionieren verwechselt. Nicht zu viel fühlen. Nicht zu kompliziert sein. Nicht zu empfindlich wirken. Nicht zu oft sagen, dass etwas gerade zu viel ist. Am besten freundlich, belastbar, klar, leistungsfähig und dabei bitte nicht so, dass es für andere unbequem wird.
Aber ich glaube nicht mehr, dass echte Stärke bedeutet, härter gegen sich selbst zu werden. Ich möchte reslienter werden, ohne innerlich kalt zu werden. Ich möchte empathisch bleiben, ohne mich ständig selbst zu übergehen. Wenn du mich auf der Reise begleiten möchtest, schreibe ich dazu in einigen Wochen auch noch mal einen weiteren Artikel dazu.
Empathie heißt nicht, dass ich immer verfügbar bin. Es heißt nicht, dass ich jede Stimmung anderer Menschen auffangen muss wie ein emotionaler Wäschekorb. Es heißt auch nicht, dass mein Nein weniger gültig wird, nur weil ich die andere Seite verstehe.
Vielleicht ist genau das die erwachsene Version von Mitgefühl: freundlich bleiben, ohne sich selbst zu verlassen.
Mein Leben muss nicht fremden Erwartungen gefallen
Das klingt erstmal glamourös. Nach großer Entscheidung, wehendem Kleid, Sonnenuntergang und einem Leben, das plötzlich aussieht wie ein Trailer.
In Wahrheit beginnt es wahrscheinlich viel kleiner. Mit einem ehrlichen Nein. Mit einer Nachricht, die ich später beantworte. Mit einer gebuchten Reise. Mit einem langsameren Tag. Mit dem Mut, einen Wunsch nicht sofort kleinzureden, nur weil er nicht in die Erwartungen anderer passt.
Ich glaube, viele von uns bauen ihr Leben nicht bewusst nach fremden Erwartungen. Es passiert eher schleichend. Ein bisschen Anpassung hier. Ein bisschen „das macht man so“ dort. Ein bisschen Angst, unzuverlässig zu wirken. Ein bisschen Sorge, zu viel zu wollen.
Und plötzlich sitzt du in einem Leben, das objektiv okay aussieht, sich aber innerlich nicht ganz nach dir anfühlt. Vielleicht beginnt Erlaubnis genau da: nicht länger gegen den eigenen Körper, die eigene Energie und das eigene Gefühl zu planen.
Grenzen setzen macht dich nicht hart, sondern ehrlich
Wenn ich all diese sieben Punkte zusammennehme, lande ich immer wieder bei einem Wort: Grenzen.
Ich verstehe das nicht als Mauer. Nicht als kaltes „Ich bin jetzt eben so“. Nicht als Einladung, sich von allem und jedem genervt zurückzuziehen. Sondern als Klarheit. Als innere Orientierung. Als liebevolle Antwort auf die Frage: Wo bin ich eigentlich noch bei mir und wo bin ich schon längst nur noch im Außen unterwegs?
Diese sieben Punkte haben einen gemeinsamen Kern: Es geht nicht darum, eine emotionslose Schneeflocke zu werden. Es geht darum, klarer zu werden.
Genau deshalb passt für mich an dieser Stelle das Workbook „Grenzen setzen – ohne schlechtes Gewissen“* von Christine Fischer so gut zu diesem Artikel. Wenn dich besonders die Themen Erreichbarkeit, Nein sagen, Schuldgefühle, Pausen oder fremde Erwartungen erwischt haben, kann dieses kompakte Workbook ein guter nächster Schritt sein.
Das Workbook ist die praktische Ebene: Was sage ich? Wo ist meine Grenze? Wie kann ich Ich bleiben, ohne mich direkt schlecht zu fühlen?
Hier findest du das Workbook „Grenzen setzen – ohne schlechtes Gewissen“* von Christine Fischer.
Und wenn das Thema tiefer sitzt als nur in einer Grenze
Manchmal wissen wir längst, was vernünftig wäre. Später antworten. Nein sagen. Pause machen. Sichtbar werden. Nicht alles erklären. Nicht immer abrufbar sein. Theoretisch ist das oft gar nicht so kompliziert.
Und trotzdem machen wir es nicht.
Nicht, weil wir ausweglos sind denke ich mir. Nicht, weil wir es nicht verstanden haben. Sondern weil Erlaubnis nicht nur im Kopf stattfindet. Manchmal sitzt sie tiefer. Im Körper. Im Unterbewusstsein. In alten Mustern. In diesem Gefühl, dass wir erst liebenswert, sicher oder richtig sind, wenn niemand enttäuscht ist.
Genau dafür habe ich meine Emotionsreise „Vertrau dir“ erstellt. Das Workbook ist praktisch. Die Emotionsreise ist emotional. Sie ist für den Punkt darunter: Warum fällt es mir überhaupt so schwer, mir selbst zu vertrauen?

Kurze Fragen zu Erlaubnis, Grenzen und Selbstfürsorge
- Ist es egoistisch, nicht immer erreichbar zu sein?
Nein. Erreichbarkeit ist keine Charaktereigenschaft, finde ich zumindest so. Du darfst Menschen mögen und trotzdem nicht jederzeit verfügbar sein. Gerade wenn du sensibel, empathisch oder sehr verantwortungsbewusst bist, brauchst du klare Momente, in denen du wieder bei dir ankommst. - Was, wenn andere enttäuscht sind, wenn ich Grenzen setze?
Dann ist das unangenehm, aber nicht automatisch falsch. Eine Grenze kann für andere unbequem sein und trotzdem für dich richtig. Du musst nicht jede Enttäuschung verhindern, indem du dich selbst übergehst. An diesem Punkt stehe ich teilweise auch noch. - Was hat das mit Zyklus im Koffer zu tun?
Sehr viel. Für mich bedeutet zyklusbewusstes Leben nicht nur, Phasen zu kennen. Es bedeutet, ehrlicher zu planen. Zu merken, wann ich Energie habe, wann ich Ruhe brauche, wann mein Körper mitkommt und wann ich nicht schon wieder so tun sollte, als hätte ich jeden Tag dieselbe Kapazität.
Fazit: Vielleicht war der Löffel gar nicht das Problem
Am Anfang stand ich also im Flur. Nasse Haare, vibrierendes Handy, Löffel in der Hand. Und je länger ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir: Der Löffel war nicht das Skurrile an der Situation.
Das Skurrile war, dass ich kurz davor war, mich selbst wieder zu unterbrechen, obwohl ich gerade offensichtlich nicht mal sortiert genug war, um Besteck und Räume sinnvoll zu koordinieren.
Erlaubnis beginnt oft genau dort. Nicht in den riesigen Lebensentscheidungen. Nicht erst bei Kündigung, Weltreise, Neuanfang oder großem Mutmoment. Sondern in diesem kleinen Zwischenraum, bevor ich wieder automatisch reagiere.
Darf ich später antworten? Darf ich müde sein? Darf ich sichtbar werden, obwohl ich unsicher bin? Darf ich einen Plan ändern? Darf ich etwas nur für mich tun? Darf ich empathisch bleiben und trotzdem eine Grenze haben?
Ich glaube: Ja.
Das glaubt mir keiner, aber ein Leben verändert sich nicht immer dadurch, dass wir sofort alles anders machen. Manchmal verändert es sich dadurch, dass wir in einem ganz normalen Moment nicht wieder über uns hinweggehen. Dass wir das Handy liegen lassen. Unsere wohlverdiente Pause beanspruchen. Den Wunsch ernst nehmen. Die Grenze aussprechen. Oder einfach merken: Ich muss nicht warten, bis mir jemand die Erlaubnis gibt, mein eigenes Leben mehr nach mir zu gestalten und aufzubauen.

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In diesem Beitrag verweise ich außerdem auf meine eigene Emotionsreise „Vertrau dir“. Dieses Angebot ist ein digitales Produkt von mir und kann dich dabei unterstützen, dich auf emotionaler Ebene wieder mehr mit dir selbst, deinem Gefühl und deinem inneren Vertrauen zu verbinden.
Medizinischer Hinweis
Dieser Artikel basiert auf persönlichen Gedanken, Erfahrungen und redaktioneller Aufbereitung. Er ersetzt keine medizinische, psychologische oder therapeutische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Zyklusbewusstsein wird hier als persönliche Reflexion und alltagstaugliche Orientierung verstanden, nicht als medizinische Empfehlung.
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