Es gibt diese Momente, in denen man merkt, dass man endgültig ein bisschen oldschool ist. Eher charmant oldschool. So die Sorte Mensch, die nicht jede Erkenntnis aus einem viralen Reel bekommt, sondern manchmal noch irgendwo sitzt, mit einer Freundin redet, herumscrollt, einen kuriosen Tag entdeckt und dann sagt: Warte mal. Darüber könnte man eigentlich schreiben.
Genau so bin ich auf den International Being You Day gestoßen. Nicht in einem perfekt geplanten Content-Kalender. Nicht durch eine tiefgehende Trendanalyse mit Tabellen, Suchvolumen und fünf farblich sortierten Markern. Sondern ziemlich unspektakulär. Mit einer Freundin. Irgendwie nebenbei. Wie früher, als man noch Dinge entdeckt hat, ohne dass sofort ein Algorithmus daneben stand und sagte: Das könnte auch für dich relevant sein.
Und ehrlich gesagt fand ich genau das passend. Ein Tag, der übers Du-selbst-Sein spricht, kommt bei mir nicht durch eine optimierte Strategie herein. Sondern durch ein Gespräch. Durch ein kleines Stolpern. Durch diesen Moment, in dem man kurz hängen bleibt und denkt: Ja. Das Thema verfolgt mich eigentlich schon länger.
Denn du selbst sein klingt erstmal wunderschön. Fast ein bisschen nach Kaffeetasse mit Spruch drauf. Sei du selbst. Vertrau dir. Geh deinen Weg. Klingt entspannt. Klingt nach einem Plan. Klingt aber auch ein bisschen so, als wäre das einfach. Als müsste man morgens nur beschließen, ab jetzt authentisch zu sein, und dann läuft man mit wehendem Haar durchs Leben, während alle inneren Zweifel höflich applaudieren.

Kurz gesagt
Du selbst zu sein ist für mich kein hübscher Kalenderspruch. Es ist oft der Moment, in dem du merkst, wie oft du dich angepasst, erklärt, zurückgenommen oder innerlich korrigiert hast, nur damit es für andere angenehmer wird.
Affiliate-Hinweis: In diesem Beitrag findest du Links, die mit einem Sternchen (*) gekennzeichnet sind. Wenn du über einen dieser Links kaufst, erhalte ich eine Provision. Für dich bleibt der Preis gleich.
Du selbst sein klingt leicht, bis du merkst, wie oft du dich verlässt
Ich glaube, viele von uns denken bei „du selbst sein“ zuerst an große Entscheidungen. Job kündigen. Auswandern. Haare abschneiden. Grenzen setzen. Endlich diese eine Nachricht schreiben. Und ja, manchmal gehört das dazu. Aber oft beginnt es viel kleiner. Viel unspektakulärer. Und genau deshalb übersehen wir es so schnell.
Du verlässt dich nicht erst, wenn du ein Leben führst, das gar nicht zu dir passt. Du verlässt dich manchmal schon, wenn du „kein Problem“ sagst, obwohl es eins ist. Wenn du lachst, obwohl dir nicht danach ist. Wenn du dich erklärst, obwohl dein Nein eigentlich reichen würde. Wenn du deine Müdigkeit direkt als Schwäche wertest, statt sie wenigstens einmal als Information zu betrachten.
Das glaubt mir keiner, aber ich habe lange gedacht, ich wäre besonders reflektiert, wenn ich jede meiner Reaktionen sofort analysiere. Warum bin ich jetzt so? Warum trifft mich das? Warum bin ich nicht lockerer? Warum kann ich nicht einfach so entspannt sein wie andere Frauen, die scheinbar mit einem Matcha in der Hand durch jede Lebensphase schweben?
Heute glaube ich: Manchmal war das keine Reflexion. Manchmal war das nur eine sehr gebildete Form von Selbstmisstrauen. Ich habe nicht wirklich zugehört. Ich habe mich verhört, bewertet, eingeordnet und versucht, mich wieder passend zu machen.
Die Rolle, die du spielst, wenn du gefallen willst
Es gibt Rollen, die sehen von außen gar nicht dramatisch aus. Die Verständnisvolle. Die Lustige. Die Starke. Die, die immer noch irgendwie einen Plan hat auch wenn es scheinbar ausweglos ist. Die, die nicht kompliziert sein möchte. Die, die ihre Bedürfnisse so lange weich formuliert, bis sie selbst kaum noch erkennt, was sie eigentlich wollte.
Und das Gemeine ist: Diese Rollen funktionieren oft. Menschen mögen dich dafür. Du bist angenehm. Du bist pflegeleicht. Du störst nicht. Du machst es anderen leicht, mit dir umzugehen. Nur irgendwo auf dem Weg wird es für dich selbst schwerer.
Vielleicht merkst du es daran, dass du nach Gesprächen erschöpft bist, obwohl nichts Schlimmes passiert ist. Vielleicht daran, dass du dich auf dem Heimweg fragst, warum du schon wieder etwas zugesagt hast. Vielleicht daran, dass du deine eigenen Visionen erst spürst, wenn du allein bist und niemand mehr etwas von dir erwartet.
Ich glaube, genau da wird „being you“ interessant. Nicht als laute Selbstanerkennung. Sondern als ehrlicher Reflexionsgedanke: Wo spiele ich noch eine Version von mir, die früher vielleicht nötig war, aber heute langsam zu klein für mich geworden ist?
Ich meine, Kindern kaufen wir auch ständig neue Schuhe, weil ihre Füße wachsen. Da fragen wir nicht: „Warum passt dir der alte Schuh nicht mehr?“ Wir sagen eher: „Du bist aber groß geworden.“ Vielleicht dürften wir uns selbst diese Frage auch öfter stellen. Nicht: Warum passe ich da nicht mehr rein? Sondern: Welche neue Version von mir ist inzwischen gewachsen?

Mein ehrlicher Aha-Moment
Ich muss nicht jede alte Rolle sofort ablegen. Aber ich darf anfangen zu merken, wann ich sie spiele. Und manchmal ist genau dieses Merken schon der erste Schritt zurück zu mir.
Warum dein Körper oft früher ehrlich ist als dein Kopf
Mein Kopf und vor allem meine Komfortzone ist wahnsinnig gut darin, Dinge zu begründen. Der kann aus fast allem noch eine vernünftige Erklärung basteln. Natürlich kann ich das noch machen. Natürlich ist das nicht zu viel. Natürlich bin ich nur kurz müde. Natürlich sollte ich mich nicht so anstellen. Mein Kopf könnte vermutlich sogar eine PowerPoint-Präsentation darüber erstellen, warum ich meine eigenen Grenzen ignorieren sollte.
Mein Körper ist da weniger höflich. Der wird müde. Unruhig. Schwer. Manchmal auch einfach still. Und früher habe ich das oft als Störung gesehen. Als etwas, das im Weg steht. Gerade dann, wenn ich funktionieren, planen, reisen, arbeiten oder „einfach normal sein“ wollte.
Heute sehe ich das anders. Nicht perfekt. Nicht immer sofort. Aber öfter. Mein Körper ist nicht der nervige Nebendarsteller meines Lebens. Er schreibt mit. Auch dann, wenn mir der Text nicht gefällt.
Gerade als Frau, die ihren Alltag, ihre Arbeit und ihre Reisen nicht komplett gegen sich planen will, ist das für mich ein riesiger Punkt. Wenn ich ständig versuche, mich über meine Signale hinwegzusetzen, verliere ich irgendwann nicht nur Energie. Ich verliere Kontakt. Zu mir. Zu meinem Rhythmus. Zu dem, was wirklich passt.
Freundinnen erinnern dich manchmal daran, wer du bist
Vielleicht mochte ich diesen oldschool Moment mit meiner Freundin deshalb so. Weil echte Gespräche manchmal etwas bewirken, was kein Feed schafft. Sie holen dich zurück zu dir selbst. Nicht durch perfekte Tipps. Nicht durch ein „Du musst nur deine Frequenz erhöhen“ und bitte einmal tief einatmen. Sondern durch dieses einfache Gefühl: Ich muss hier gerade keine optimierte Version von mir sein.
Bei manchen Menschen merkst du sofort: Hier muss ich keine angenehm verpackte Version von mir abliefern. Ich muss nicht jeden Satz vorher durch die „Klingt das jetzt komisch?“-Kontrolle schicken. Ich kann einfach reden. Und manchmal höre ich mir dann selbst beim Sprechen zu und denke: Ach guck, da war ja meine echte Meinung.
Du erzählst irgendwas ganz Normales, eigentlich nichts Weltbewegendes, und während du sprichst, merkst du plötzlich: Ach krass, genau das denke ich ja wirklich. Du lachst anders. Nicht dieses höfliche „Haha, alles gut“-Lachen, sondern echter. Du musst deine Sätze nicht erst dreimal innerlich weichspülen, damit sie bloß niemand falsch versteht. Du bist weniger strategisch. Weniger vorsichtig. Weniger damit beschäftigt, eine Version von dir vorzuspielen, die für alle angenehm ist. Und manchmal liegt dann zwischen zwei völlig normalen Gesprächsthemen plötzlich ein Gedanke auf dem Tisch, bei dem du denkst: Moment mal. Daraus wird später wahrscheinlich ein ganzer Blogartikel.
Das finde ich schön. Und auch ein bisschen tröstlich. Weil es zeigt, dass Selbstvertrauen nicht immer in einem großen Retreat entstehen muss. Manchmal entsteht es in einem Gespräch. Bei einem Kaffee. Beim gemeinsamen Googeln irgendeines kuriosen Tages. Beim Feststellen: Ach interessant, darüber denke ich eigentlich schon lange nach.
Vielleicht brauchen wir nicht immer mehr Lärm, um uns selbst zu finden. Vielleicht brauchen wir öfter Räume, in denen wir aufhören, uns zu bearbeiten.
Du musst dich nicht neu erfinden, um echter zu leben
Das ist für mich einer der wichtigsten Punkte. Du selbst zu sein bedeutet nicht, dass du ab morgen eine völlig neue Persönlichkeit brauchst. Du musst nicht plötzlich mutiger, lauter, cooler, spiritueller, erfolgreicher oder komplett geheilt auftreten. Du musst nicht aus allem ein neues Ich-Projekt machen.
Vielleicht geht es viel eher darum, weniger gegen dich zu arbeiten. Weniger automatisch Ja zu sagen. Weniger jedes Gefühl sofort wegzuanalysieren. Weniger deine eigenen Bedürfnisse als unpraktisch zu behandeln. Weniger so zu tun, als wärst du jeden Tag dieselbe Version von dir.
Für mich passt das auch sehr gut zu zyklusbewusstem Leben. Nicht, weil der Zyklus alles erklärt. Das wäre mir zu einfach. Aber weil mich meine Zyklusphasen immer wieder daran erinnern, dass ich nicht jeden Tag gleich bin. Mein Körper ist kein Roboter. Es gibt Phasen, in denen ich mehr im außen sein will, und Phasen, in denen ich mehr bei mir bleiben muss.
Und vielleicht ist genau das schon ein Teil von „being you“: nicht jeden Tag dieselbe Rolle zu erzwingen, sondern ehrlich zu merken, welche Version von dir heute überhaupt da ist.

Was ich mir heute öfter sage
Ich muss nicht sofort wissen, wer ich für immer bin. Es reicht, wenn ich heute ehrlicher merke, wo ich mich verliere, wo ich mich anpasse und wo ich mir selbst wieder mehr glauben darf.
Ich will nicht perfekt durch mein Leben schweben. Ich will authentisch durch mein Leben gehen.
Vielleicht beginnt Selbstvertrauen leiser, als wir denken
Ich glaube, Selbstvertrauen wird oft viel zu dramatisch dargestellt. Als müsste man plötzlich unerschütterlich sein. Souverän. Klar. Immer in sich ruhend. Am besten mit perfekter Haut, aufgeräumtem Wohnzimmer und einer Morgenroutine, bei der sogar Pinterest kurz respektvoll nickt.
Für mich beginnt Selbstvertrauen viel leiser. Mit dem Moment, in dem ich meine Wahrnehmung nicht sofort anzweifle. Mit dem Satz: Vielleicht habe ich einen Grund, warum sich das komisch anfühlt. Mit dem Mut, nicht direkt zu funktionieren, nur weil es erwartet wird. Mit dem kleinen inneren Schritt von „Was stimmt nicht mit mir?“ zu „Was versucht mir das gerade zu sagen?“
Das ist nicht immer bequem. Manchmal merkt man dann nämlich, dass etwas nicht mehr passt. Ein Tempo. Eine Beziehung. Eine Erwartung. Eine Art zu arbeiten. Eine Version von sich selbst, die mir früher geholfen hat, aber heute nur noch anstrengend ist.
Aber genau da wird es ehrlich. Und vielleicht ist das der eigentliche Sinn dieses International Being You Days. Nicht: Feiere dich, als wäre immer alles wunderbar. Sondern: Hör auf, dich ständig zu verlassen, nur damit es für andere einfacher wird, stelle ich mal mutig die These auf.
Wenn du wieder mehr Kontakt zu dir willst
Ich glaube nicht, dass ein einziger Tag alles verändert. Kein International Being You Day, kein Montag, kein Neumond, kein Jahreswechsel und auch kein besonders schönes Notizbuch. Schade eigentlich, ich hätte gerne ein Notizbuch, das mein Leben für mich sortiert.
Aber solche Tage können kleine Türen öffnen. Sie können Fragen stellen, die im Alltag untergehen. Wo passe ich mich gerade zu sehr an? Wo vertraue ich mir nicht? Wo mache ich mich kleiner, obwohl ich innerlich längst spüre, dass diese alte Version von mir nicht mehr richtig passt? Wo versuche ich stark zu wirken, obwohl ich eigentlich mehr Selbstvertrauen brauche?
Genau für solche Momente habe ich meine Emotionsreise „Vertrau dir“ erstellt. Nicht als perfekte Lösung für alles. Nicht als Versprechen, dass du danach nie wieder zweifelst. Sondern als ruhigen Raum, in dem du wieder mehr bei dir ankommen darfst. Bei deiner Wahrnehmung. Bei deinen Gefühlen. Bei dem Teil in dir, der vielleicht schon länger weiß, dass du dir selbst wieder mehr glauben möchtest.
Wenn du spürst, dass dich dieses Thema gerade beschäftigt, findest du hier meine Emotionsreise: Vertrau dir.
Fazit, vielleicht musst du nicht anders werden
Vielleicht ist das der Punkt, den ich an diesem International Being You Day am meisten mag. Nicht die große Botschaft „Sei einfach du selbst“, als wäre das ein Lichtschalter, den man anknipsen kann. Sondern die leisere Wahrheit darunter: Vielleicht musst du gar nicht ständig anders werden. Vielleicht darfst du erst einmal merken, wo du dich zu lange angepasst hast.
Du musst dich nicht neu erfinden, um echter zu leben. Du musst nicht plötzlich alles umwerfen, um dir näherzukommen. Manchmal reicht es, eine ehrliche Frage zu stellen. Einen Satz nicht sofort zurückzunehmen. Ein Gefühl nicht direkt kleinzureden. Einen müden Tag nicht als persönliches Versagen zu behandeln.
Und vielleicht brauchst du dafür keine perfekte Strategie. Vielleicht brauchst du erstmal wieder mehr Vertrauen in dich. In deinen Körper. In deine Wahrnehmung. In deine leisen inneren Hinweise, die du früher vielleicht überhört hast, weil du dachtest, andere wüssten besser, wer du sein solltest.
Das glaubt mir keiner, aber manchmal beginnt ein ganzer Artikel mit einer Freundin, einem oldschool Moment und einem mir unbekannten Thementag im Internet gefunden. Und manchmal erinnert dich genau so ein kleiner Fund daran, dass du dich nicht ständig optimieren musst, um wieder bei dir anzukommen.

Hinweis zu meinem Produkt
In diesem Beitrag verlinke ich meine eigene Emotionsreise „Vertrau dir“. Wenn du sie kaufst, unterstützt du direkt meine Arbeit und erhältst Zugang zu meinem digitalen Produkt.
Medizinischer Hinweis
Dieser Artikel basiert auf persönlichen Gedanken und Erfahrungen und dient der Inspiration und Selbstreflexion. Er ersetzt keine medizinische, psychologische oder therapeutische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Wenn du starke Beschwerden, ungewöhnliche Symptome oder gesundheitliche Fragen hast, wende dich bitte an medizinisches Fachpersonal.
Bildhinweis
Das Beitragsbild und ergänzende Grafiken sind mit Canva und Canva Pro Elementen erstellt worden.
Transparenz
Dieser Essay basiert auf persönlichen Gedanken, Alltagserfahrungen und redaktioneller Aufbereitung. Der International Being You Day dient hier als thematischer Aufhänger für Selbstreflexion, Selbstvertrauen und ehrlicheres Bei-sich-Ankommen.








